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Bei unserem Maifest übernehmen wir eine in Süddeutschland noch sehr lebendige Tradition: den mit einem Kranz geschmückten Maibaum. Er steht für die wieder erwachte Natur, das hervorbrechende Grün. Damit eng verbunden sind Liebe und Erotik, Fruchtbarkeit, Lebenskraft und Lebensfreude. Dies sind auch die Inhalte unseres Festes: Wir wollen die Kräfte feiern, die auf unserer Erde wirken und Leben erst möglich machen. Dafür soll uns der Maibaum ein Symbol sein: als Verbindung der irdischen und kosmischen Kräfte, von Höhe und Tiefe, die Verbindung der Geschlechter. Das Maifest ist inzwischen zur festen Einrichtung im “Kalkwerk” geworden.
Das Maifest ist eines von acht Festen im Jahreskreis. Wir finden den Rhythmus der acht Feste sinnvoll, um den Wandel der Jahreszeiten deutlich werden zu lassen. Damit knüpfen wir an vorchristliche
Traditionen an, wollen die Feste aber Inhalten zuordnen, die mit uns und unserem Leben heute zu tun haben. Wir wollen auch versuchen, die patriarchale Spaltung in vermeintliche Gegensatzpaare wie Mensch/Natur, Mann/Frau, Geist/Materie (Körper) und die damit einhergehende Aufwertung der einen und Abwertung der anderen Seite zu überwinden. Wir wollen bewusst machen, dass wir ein Teil der Natur sind und nicht ihr Gegenüber, dass Leben und Tod zusammen gehören in einem Kreislauf von Werden, Wachsen, Vergehen und Neuwerden. Für uns stehen die Kräfte der Elemente und das Leben selbst im Vordergrund - ohne sie auf eine Göttin oder einen Gott zu projizieren.
Anmeldung bitte schriftlich per Brief oder eMail. Wir bitten um einen Kostenbeitrag sowie um einen Beitrag zum gemeinsamen Buffet!
Ein paar Gedanken und Informationen zu Jahreskreisfesten und zum Maifest
Feste im Jahresverlauf oder Jahreszeitenfeste wurden und werden von vielen Kulturen auf der ganzen Welt gefeiert und das hat einen einfachen Grund: sie unterteilen ein Jahr in überschaubare Abschnitte, und diese Unterteilung wurde sicher schon lange genutzt, bevor es Monate und Kalender gab. Sie beziehen sich auf astronomische Fixpunkte, die überall auf der Welt dieselben sind: die Sonnwenden und Tag- und Nachtgleichen (auf den Hemisphären jeweils entgegengesetzt und mit Ausnahme direkt auf dem Äquator). Die anderen vier Feste, Zeremonien, Feiertage oder wie auch immer, liegen etwa dazwischen. Es steht außer Frage, dass nicht allen diesen sehr unterschiedlichen Kulturen, die solche Feste feiern/gefeiert haben, die gleiche Tradition oder gar Religion zugeschrieben werden kann. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf derselben Erde leben und alle den Lauf der Sonne und des Mondes beobachten konnten und können. (Auch das Datum des wichtigsten christlichen Festes - Ostern, die Auferstehung Christi - wird sowohl vom Mond- als auch vom Sonnenlauf bestimmt: Ostersonntag fällt auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche.)
Neue Religionen übernehmen gerne Traditionen, die sie schon vorfinden. Von der Christlichen Religion sind einige frühere keltische Feste übernommen worden, da Irland (Kelten) eines der ersten Gebiete Europas war, das christianisiert wurde. Das Fest der keltischen Göttin Brigid, der 2. Februar, wurde zu Mariä Lichtmess, Samhain wurde zu Allerheiligen. Interessant ist an dieser Stelle, dass seit ein paar Jahren Halloween (All Hollow's Day) aus den USA zu uns herüber schwappt: der Vorabend des keltischen Samhain, das die Iren mit nach Amerika genommen und, wie häufig bei Exilanten, besonders bewahrt haben. Dies zeigt sehr anschaulich, wie Teile aus uralten Traditionen oder Religionen auf verschlungenen Wegen weiterleben und übernommen werden, ohne dass der Mehrheit bewusst wäre, worum es sich eigentlich handelt.
Häufig spiegeln diese Feste auch den Ablauf des bäuerlichen Jahres wieder: Aussaat, Wachstum und Fruchtbarkeit (der Wunsch, die Felder und Tiere mögen fruchtbar sein), Erntebeginn, Erntedank, Ernteende (auch auf dem Härtsfeld noch/wieder als Sichelhenke gefeiert) und Vorbereitung auf die nächste Wachstumsperiode im Winter. Fruchtbarkeit spielte, da das Überleben davon abhing, naturgemäß eine große Rolle; so sind beispielsweise die „heidnischen" Fruchtbarkeitssymbole Ei und Hase an Ostern erhalten geblieben. In Katzenstein und Frickingen gibt es das Umgehen des „Pfingstlümmels", „ein uralter Fruchtbarkeitsbrauch", wie Ottmar Engelhardt in „Neresheim und das Härtsfeld" auf S. 95 schreibt. Hier wird ein christliches Fest mit altem Brauchtum in Verbindung gebracht.
Ein ebenfalls uraltes, in der Tradition verankertes Fest, ist das Maifest, verbunden mit dem Aufstellen von Maibäumen und Tänzen am Vorabend des 1. Mai. Der Brauch, junge Birkenbäume mit Bändern geschmückt an das Haus der heimlich Angebeteten zu stecken, verweist auf den ursprünglichen Inhalt - Fruchtbarkeit, Liebe und Freude an der wiedererwachten Natur. Dieses in Süddeutschland noch weitverbreitete Fest haben wir mit unserem MaibaumHexentanz-Ritual aufgegriffen, gerade weil es noch lebendig ist. Wir nennen unser Fest im Übrigen durchgehend „Maifest", der griffige Titel ironisiert lediglich den „Hexentanz" in der Walpurgisnacht, der von den Feministinnen in Italien zu Beginn der Frauenbeweg
ung aufgegriffen wurde. Die heilige Walpurga, die diesem Tag den Namen gibt, war eine angelsächsische Benediktinerin und hat im 8. Jahrhundert als Missionarin und Äbtissin in Süddeutschland (Heidenheim/Hahnenkamm) gewirkt. Sie wurde als Beschützerin vor Zauberpraktiken(!) angerufen. Der Name sollte das keltische „Beltane" verdecken und wird heute mit den „Hexen" auf dem Brocken („Blocksberg") verbunden: wieder ein schönes Beispiel für die immer neue Überlagerung und Umdeutung von Bräuchen!
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